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Städte-Partnerschaft
Friedrichroda

friedrichroda Friedrichroda in Thüringia English Version

Helen Metcalfe; Übersetzung: Andrew Shackleton

Friedrichroda in der ehemaligen DDR ist durch ihre Partnerschaft mit der Stadt Bebra mit Knaresborough verbunden, die die britische Zwillingsstadt von Bebra ist. Die Partnerschaft zwischen Bebra und Friedrichroda existiert seit der Wiedervereinigung Deutschlands. Dagegen begann ihre Freundschaft mit Knaresborough erst 1993. Im Juni 1993 nahm eine Mannschaft aus Friedrichroda am traditionellen Knaresborough Bed Race (Bettrennen) teil, um Werbung für ihre Region als Feriengebiet zu machen. Die Leute aus Friedrichroda hatten so viel Freude an dieser Veranstaltung, und schlossen dabei so viel neue Freundschaften, daß sie jedes Jahr wiederkamen, und seit 1996 ihr eigenes Bettrennen veranstalten.

Lage

Friedrichroda liegt im nördlichen Teil des Thüringer Waldes, also im sogenannten grünen Herz Deutschlands. Die südlichste Gemarkungsgrenze der Stadt bildet der berühmte Rennsteig, Deutschlands längster Höhenwanderweg, der 168 Kilometer durch wunderschöne Landschaften den Kamm der Thüringer Bergkette entlanggeht. Die Stadt Friedrichroda ist für Besucher durchaus leicht zu erreichen. Sie ist mit dem Eisenbahnnetz verbunden, und ist gar nicht weit von der A4 entfernt, d.h. von der Autobahn, die an Eisenach, Gotha, Erfurt und Weimar vorbeiführt. Von Gotha aus kann man auch mit der Thüringerwaldbahn fahren, die durch den schönen Wald nach Friedrichroda und noch weiter bis Tabarz geht. Es gibt Flughäfen in Erfurt, Leipzig und Frankfurt/Main. Hauptstraße

Hauptstraße

Die Geschichte von Friedrichroda

Friedrichroda wurde im jahre 1039 von Graf Ludwig dem Bärtigen gegründet, der aus Mainfranken hierherkam. Der alten Geschichte nach soll von ihm ein Vasall namens Friedrich das Recht erworben haben, den Wald zu roden und eine Rodungssiedlung zu bauen, wodurch der Name Friedrichroda entstand.

Eine frühe Burg, die Schauenburg, wurde 1265 wegen ihres schlechten Rufes als Räuberhöhle zerstört. Die Einwohner lebten vom Eisenerz-, Braunkohlen- und Mineralienbergbau. Die Benediktiner bauten ein Kloster in Reinhardsbrunn, wo sie wohnten, bis sie 1525 im Laufe der Reformation verjagt wurden (in dieser Gegend war Martin Luther ziemlich aktiv).

Es gibt eine olle Geschichte, die erklärt, wie der naheliegende Berg den Namen Gottlob bekam. Im Mittelalter nahm ein Adliger der Gegend den gutaussehenden Sohn eines Bauers in sein Haus. Da dieser junger Mann nicht von Adel war, hatte er Probleme, als er sich in eine schöne hochadelige Frau verliebte. Voller Angst ging das junge Paar auf den Adligen zu, um ihn um seine Zustimmung zu ihrer Ehe zu bitten. Zu ihrer großen Überraschung stimmte er zu, vorausgesetzt daß der junge Mann seine Verlobte vom Berg ins Tal hinunter und dann oben auf den gegenüberliegenden Berg tragen würde. Er ging mit seiner Verlobten in den Armen los. Es war für ihn nicht leicht, da der Berg sehr steil war, aber schießlich kam er schwankend am Gipfel an. Auf die Knie sinkend schrie er: "Gottlob bist du endlich die Meine!" - worauf er tot zu Erde fiel. Seit der Zeit heißt der Berg der Gottlob.

Nach der Reformation wurde das Kloster zu Reinhardsbrunn zu einer Kanzlei des Herzogs von Sachsen-Coburg-Gotha, der es 1827 in ein Jagdschloß umbaute. Die englische Königin Victoria hielt sich während ihrer Reisen durch das von ihrem Ehemann beliebte Land Thüringen in Reinhardsbrunn auf.

Im frühen 19. Jahrhundert wurde die Stadt wegen der Reinheit ihres Wassers und der Qualität ihrer Bleichen zu einem berühmten Zentrum der Wäscherei, wo Wäsche für reiche Leute aus ganzem Deutschland gereinigt wurde. Am Sonntag gingen die Männer von Friedrichroda los mit großen Wäscherkörben auf dem Rücken, die sie so weit wie Erfurt trugen. Um die Verschmutzung der Bleichen zu vermeiden, wurde den Einheimischen die Geflügelzucht verboten. Aus ähnlichen Gründen mußten die Kühe, die sie in der Stadt züchten durften, jeden Tag in einem langen Zug durch die Stadt und oben auf die Bergwiesen geleitet werden. Dieser Brauch blieb bis zu den sechziger Jahren und machte ein sehr malerisches Bild.
St. Blasius Kirche

St. Blasius Kirche

Bald wurde Friedrichroda zu einem bekannten Ferien- und Badeort, dank der Gönnerschaft eines reichen Gothaer Buchhändlers namens Friedrich Justus Perthes, der im Jahre 1837 die Stadt zum ersten Mal besuchte. Davon war er so beeindruckt, daß er all seinen Kunden Friedrichroda als Urlaubsziel empfahl und die Stadt sich dadurch zunehmender Beliebtheit erfreute. Um die neuen Besucher unterzubringen, wurden große Ferienhäuser gebaut, wobei jedes Gästezimmer seinen eigenen Balkon hatte.

Während des Zweiten Weltkriegs wurde der Eisenbahntunnel bei Friedrichroda als Lufschutzraum bzw. als Fabrik für Raketenteile gebraucht. Am 6. Februar 1945 kamen 135 Leute durch einen amerikanischen Luftangriff ums Leben, und am 6. und 7. April traf eine amerikanische Besatzungstruppe in die Stadt ein. Später aber wurde Thüringen den Russen gegen West-Berlin übergeben, und am 3. Juli 1945 trafen die Russen in der Stadt ein.

Von 1945 bis 1991 gehörte Friedrichroda der kommunistischen Deutschen Demokratischen Republik. Die Evangelisch-Lutherische Kirche im Stadtzentrum war eine der ersten Kirchen, die den Einwohnern ein Forum gegeben hat, wo sie ihre Beschwerden gegen die kommunistische Regierung vorbringen konnten. Jeden Donnerstag kamen Hunderte von Leuten bei großer persönlichen Gefahr zusammen, wobei Herr Pastor Schurig mit besonders großem Mut handelte.

Da zu der Zeit die Staatsangehörigen der osteuropäischen Länder die kapitalistischen Staaten nicht besuchen durften, waren Ferienorte wie Friedrichroda von großer Bedeutung. Das moderne Berghotel, das über der Stadt ragt, war unter dem Kommunismus ein Ferienheim für die Arbeiter. Das Treffhotel, das nun ein Luxushotel ist, war damals ein Heim für die "Stasi", und seine Vorderwand trägt einige interessante Arbeitermotive aus dieser Zeit. Heute gibt's andere Hotels sowie viele freundliche Pensionen mit allem modernen Komfort. Aus dem naheliegenden Puschkinpark hat man nun fast alle kommunistische Statuen entfernt.

Nach der "großen Wende" (so nennt man hier die Wiedervereinigung Deutschlands) mußten die Einheimischen mit einer ganz neuen Lebensweise fertig werden. Denn es drohte nicht nur die Arbeitslosigkeit sondern auch ein Rückgang im Tourismus. Die Besucher durften jetzt ins Ausland reisen, und taten das auch. Als 1993 die erste Mannschaft aus Friedrichroda in Knaresborough zum Bettrennen eintraf, war es ihre Absicht, sich aufzurappeln und für das schöne Friedrichrodaer Feriengebiet Werbung zu machen.

Zuerst mußte wegen jahrelanger Vernachlässigung viel gebaut und wiedergutgemacht werden, so daß die Stadt eine Zeitlang wie eine Riesenbaustelle aussah. Nun hat man aber viel geschafft und die Stadt ist wieder lebendig geworden. Friedichroda hat zur Zeit 6200 Einwohner, beherbergt aber viel mehr Leute wärend der Sommerzeit dank ihrer Beliebtheit als Ferienziel. Obwohl die Möbelindustrie noch bleibt, ist der Bergbau schon lange nicht mehr. Nur ein paar Reste sind noch in der Marienglashöhle und in der Heimatstube zu sehen.

Freizeitgestaltung und Schenswürdigkeiten

Es gibt 100 km markierte Wanderwege durch den Wald um Friedrichroda, und die Stadt liegt auch nicht weit vom berühmten Rennsteig. Sie hat ein großes Freibad, während die Schwimmhallen, Solarien und Saunen im Berg- und im Treffhotel nicht nur den Hotelgästen zur Verfügung stehen. Sonst gibt's auch Ruderboote auf dem Gondelteich zu Reinhardsbrunn, sowie Tennis und Reiten.

Für Kulturfreunde gibt's Orgelkonzerte in der Stadtkirche und Volksmusik. Die Spenglersborngemeinde zeigt bei ihren jährlichen Waschfesten, wie in alten Zeiten gerubbelt, gewrungen und gebleicht wurde, und erhält auch die alten Geschichten und Volkslieder dieser Gegend.

Volksfestival im Bergtheater

Volksfestival im Bergtheater

Einen besonderen Reiz übt die berühmte Marienglashöhle aus, ein einmaliges Gipssteinbergwerk, wo die Kristallgrotte als die großte in Europa gilt. Auch sehenswert ist das Schloß Reinhardsbrunn, ein ehemaliges Jagdschloß, wo sich die Königin Victoria oft aufhielt.

Nicht weit von Friedrichroda befinden sich die historischen Städte Eisenach (Wartburg und Bachhaus), Gotha (Schloß Friedenstein), Erfurt (Krämerbrücke) und Weimar (Goethe und Schiller).

Bei passendem Wetter bieten sich Wintersportarten wie Bobschlitten und Skilanglauf an, während am naheliegenden Inselsberg und weiter südlich in Oberhof auch Abfahrtspisten zur Verfügung stehen.

Marienglas - Kristalle

Marienglas - Kristalle

Dank der Unterstützung der Städte Bebra und Knaresborough hat das Friedrichrodaer Bettrennen großen Erfolg.

Mehr Information über Friedrichroda erhalten sie von:
Kurverwaltung, Markstraße 13/15, 99894 Friedrichroda, Thüringen; Tel. +49 (0)3623 304575 Fax +49 (0)3623 200694